Ambulante medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation mit realem Arbeitsplatztraining (REAL)
Forschungsprojekt
Wir ergänzen eine ambulante medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation durch ein Training am eigenen Arbeitsplatz, das bereits während der Rehabilitation durchgeführt wird, und prüfen, ob dieses reale Arbeitsplatztraining die Rückkehr an den Arbeitsplatz beschleunigt und die Arbeitsunfähigkeitsdauer reduziert.
Flexibilisierung der Arbeitswelt – Chancen nutzen, Risiken vermeiden
Förderformat:
Forschungsprojekt
Fördersumme:
349.705,00 €
Laufzeit:
01.03.2026 bis 28.02.2029
Projektleitung:
Prof. Dr. Matthias Bethge
Projektteam:
Richard Albers (Universität zu Lübeck)
Stella Lemke (Universität zu Lübeck)
Maximilian Pryk (ZAR)
Sarah Geis (ZAR)
Institution:
Universität zu Lübeck, Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, Sektion Rehabilitation und Arbeit
Vorhabensbeschreibung
Muskel-Skelett-Erkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit. Lange Ausfallzeiten belasten die betroffenen Personen, die Betriebe und das Gesundheitssystem. Internationale Studien zeigen, dass Behandlungsansätze, die sowohl eine klinische Intervention als auch eine Arbeitsplatzintervention berücksichtigen (z. B. die gemeinsame Begehung des Arbeitsplatzes, das Training relevanter Anforderungen am eigenen Arbeitsplatz oder die Erstellung eines individuellen Wiedereingliederungsplans), im Vergleich zum üblichen Vorgehen die Zeit bis zur Rückkehr in die Arbeit sowie die Arbeitsunfähigkeitszeiten bei Personen mit Muskel-Skelett-Erkrankungen verkürzen können. Gleiches gilt für die Kombination einer klinischen Intervention mit mehreren Arbeitsplatzinterventionen. Aufgrund reduzierter Arbeitsunfähigkeitsdauer und schnellerer Rückkehr zur Arbeit gelten diese Behandlungsansätze zudem als kosteneffizient. Für das deutsche Gesundheitssystem fehlen hierzu bislang jedoch belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse.
Methodik:
Wir führen eine multizentrische, randomisierte kontrollierte Studie durch. An dieser beteiligen sich sieben ambulante Rehabilitationseinrichtungen. Wir schließen 18- bis 65-jährige Personen mit Muskel-Skelett-Erkrankungen ein, die eine medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation absolvieren. Eine Gruppe erhält ein Arbeitsplatztraining direkt am eigenen Arbeitsplatz (Interventionsgruppe), die Vergleichsgruppe absolviert das Training hingegen herkömmlich in der Rehabilitationseinrichtung an einem simulierten bzw. nachgestellten Arbeitsplatz (Kontrollgruppe). Die Teilnehmenden werden zufällig entweder der Interventions- oder Kontrollgruppe zugelost. Insgesamt nehmen 200 Personen an der Studie teil (100 Personen in der Interventionsgruppe und 100 Personen in der Kontrollgruppe). Die Datenerhebung erfolgt mit Fragebögen. Ergänzend werden Interviews mit Rehabilitandinnen und Rehabilitanden, dem Fachpersonal und Arbeitgebern geführt, um die praktische Umsetzbarkeit des neuen realen Arbeitsplatztrainings zu beurteilen und Handlungsempfehlungen für die Regelversorgung ableiten zu können.
Ziel
Ziel des Forschungsvorhabens ist es, verlässliche Aussagen darüber zu treffen, ob ein reales Arbeitsplatztraining am eigenen Arbeitsplatz die Arbeitsunfähigkeitszeiten langfristig reduziert und die Gesundheit sowie Arbeitsfähigkeit verbessert. Die Ergebnisse sollen als Entscheidungsgrundlage dienen, ob und wie ein solches Trainingskonzept künftig in der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation eingesetzt werden kann. Langfristig kann dies zu flexibleren und besser auf die Arbeitsrealität abgestimmten Rehabilitationsangeboten beitragen.
Ausblick
Das Forschungsvorhaben läuft von März 2026 bis Februar 2029 und umfasst die Entwicklung, Implementierung und Evaluation einer arbeitsplatzbezogenen Intervention in der ambulanten Rehabilitation in enger Zusammenarbeit der am Projekt beteiligten Akteure.
Zu Beginn steht die Konzeption des bislang nicht erprobten Arbeitsplatztrainings am betrieblichen Arbeitsplatz im Mittelpunkt. Dies beinhaltet die Anpassung interner Abläufe in den Rehabilitationseinrichtungen, die Abstimmung mit betrieblichen Akteuren und die Erstellung einer strukturierten Dokumentation des Trainings.
Anschließend wird eine randomisierte kontrollierte Studie mit ergänzenden qualitativen Interviews durchgeführt, um Wirksamkeit und Umsetzbarkeit zu evaluieren. Für eine valide Wirksamkeitsprüfung ist die Rekrutierung von mindestens 200 Teilnehmenden vorgesehen.
Ausgehend von den Ergebnissen der Studie werden Handlungsempfehlungen entwickelt, um das Angebot in die Regelversorgung zu überführen.