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GIGG - Gig- und Crowdwork gesundheitsförderlich gestalten

Forschungsprojekt

Digitale Plattformarbeit ist eine hochflexible Arbeitsform. Es handelt sich um mobile Arbeit, die entweder ortsgebunden (Gigwork) oder ortsungebunden (in der Regel im Homeoffice, Crowdwork) erbracht wird. Auch wenn Anstellungsverhältnisse zunehmen, wird diese Arbeitsform vorwiegend von Solo-Selbständigen umgesetzt. Damit finden klassische Elemente des Arbeitsschutzes oft keine Anwendung.

© iStock | Orbon Alija

Projektübersicht

Handlungsfeld:

Flexibilisierung der Arbeitswelt - Chancen nutzen, Risiken vermeiden

Förderformat:

Forschungsprojekt

Fördersumme:

349.975 €

Laufzeit:

01.05.2026 bis 30.04.2029

Projektleitung:

Prof. Dr. Regina Kempen

Institution:

Hochschule Aalen und Technische Universität Chemnitz

Projektteam:

Prof. Dr. Tanja Carstensen
Lisa Jantzen
Prof. Dr. Kerstin Rieder

Vorhabensbeschreibung

Erstens zeigen vorliegende Studien, dass in der digitalen Plattformarbeit häufig besonders hohe allgemeine, nicht für digitale Plattformarbeit spezifische Anforderungen auftreten. Hierzu zählen beispielsweise hohe quantitative, körperliche und emotionale Anforderungen. Zugleich fehlen oft klassische Ressourcen wie soziale Unterstützung. Zweitens weist digitale Plattformarbeit neuartige Arbeitsbedingungen auf, die mit den vorliegenden Instrumenten nicht umfassend untersucht werden können. Beispielsweise erfolgt die Leistungssteuerung in der Regel über

ein algorithmisches Management. Hieraus resultieren spezifische Risiken, beispielsweise durch neuartige Formen der Überwachung. Drittens ergibt sich der Forschungsbedarf aus der Rechtslage. Mit der EU-Richtlinie zur digitalen Plattformarbeit und ihrer Umsetzung in Deutschland ist zu erwarten, dass der Trend hin zu mehr abhängiger Beschäftigung für Gig-/Crowdworker gestärkt wird. Dies macht die Entwicklung eines geeigneten Analyseinstruments für die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen bei dieser Arbeit dringlicher. Zusätzlich soll das im Projektvorhaben "GIGG" entwickelte Instrument auch für die Untersuchung der Arbeitssituation von Solo-Selbstständigen nutzbar sein. In diesem Rahmen kann es etwa für den Nachweis motivierender, guter Arbeit im Rahmen des Crowdworking Code of Conduct genutzt werden.

Methode

GIGG setzt ein Mixed-Methods-Design um. Dieses umfasst a) die qualitative und quantitative Untersuchung spezifischer Arbeitsbedingungen von Gig-/Crowdworkern, inklusive gesundheitlicher Auswirkungen, b) quer- und längsschnittliche Betrachtungen des Zusammenspiels von zielgruppenspezifischen Anforderungen und Ressourcen sowie c) die Analyse der Bedeutung des Boundary Managements von Gig-/Crowdworkern. Dabei verfolgt das Projekt einen interdisziplinären und partizipativen Forschungsansatz und bindet die Zielgruppe von Beginn an in die Planung, Erhebung und Auswertung mit ein.

Ziel

Das Forschungsvorhaben GIGG analysiert die Arbeitsbedingungen von digital vermittelter Plattformarbeit und ihre Effekte auf die biopsychosoziale Gesundheit der Arbeitenden. Hieraus werden partizipativ entwickelte Empfehlungen für eine menschengerechte Gestaltung dieser Arbeitsform abgeleitet. Dabei wird angesichts der mehrdimensionalen Entgrenzung digital vermittelter Plattformarbeit ein Schwerpunkt auf die vermittelnde Rolle des Boundary Managements gelegt.

Ausblick

Um die Besonderheiten digitaler Plattformarbeit adäquat erfassen zu können, wird ein neues Instrument entwickelt, welches nach Abschluss des Projekts für den Einsatz in Forschung und Praxis zur Verfügung steht. Es werden Policy Briefs und praktische Leitfäden für politische Entscheidungsträger und Institutionen (z.B. Interessensvertretungen) formuliert. Diese geben Empfehlungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Gig-/Crowdworkern, mit sowohl verhaltens- als auch verhältnisorientierten Maßnahmen und Implikationen für die Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention. Darüber hinaus werden Bildungskonzepte für Interessenvertretungen zur Verfügung gestellt.